Read Das Liebesverbot und die Revolution: Über Wagner by Friedrich Dieckmann Online

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Verbotenes Begehren das ist eine Grundkonstellation in fast allen Opern von Richard Wagner.Mal zeigt es sich unverh llt, mal eher verdeckt Der Zusammensto elementarer Kr fte bestimmt auch Wagners radikalpolitisches Engagement So ist es kein Zufall, da er die Partitur des Lohengrin , das Drama einer tr gerischen Rettung, gerade in dem Augenblick fertigstellt, als die demokratische Revolution des Jahres 1848 Sachsen erreicht Im Mai 1849 wird der s chsische Aufstand von den herrschenden M chten niedergeschlagen An vorderster Front der K mpfenden an den Barrikaden in Dresden steht auch der k nigliche Kapellmeister Richard Wagner Er wirft sein Leben und seine berufliche Existenz in die Waagschale und findet sich wenig sp ter als steckbrieflich verfolgter politischer Fl chtling wieder Die Dresdner Niederlage wird zum Ursprung des Trauerspiels vom Ring des Nibelungen.Friedrich Dieckmanns Buch beleuchtet eine fundamentale Krisenzeit im Leben des Weltdramatikers, der die Revolution der Oper zustande brachte, indem er f r die Revolution der Gesellschaft zu komponieren glaubte....

Title : Das Liebesverbot und die Revolution: Über Wagner
Author :
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ISBN : 3458175695
ISBN13 : 978-3458175698
Format Type : Hardcover
Language : Deutsch
Publisher : Insel Verlag Auflage 1 17 Februar 2013
Number of Pages : 160 Pages
File Size : 876 KB
Status : Available For Download
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Das Liebesverbot und die Revolution: Über Wagner Reviews

  • Stephan Wermelskirchen
    2019-04-28 16:09

    Woran liegt es eigentlich, dass Sammlungen früher erschienener Aufsätze und Essays oft lesenswerter sind als ofenfrische Neuerscheinungen in Buchlänge? Auf dem Felde der Wagner-Literatur haben Egon Voss und Jens Malte Fischer dieses Phänomen eindrucksvoll demonstriert; ihre Sammlungen ("" und "") gehören zu dem Besten, was in den letzten Jahrzehnten über Richard Wagner erschienen ist. Woran liegt es also? Vielleicht hat es damit zu tun, dass solche Aufsatz- und Artikel-Sammlungen eine disparat-gemischtere Bandbreite an Teilaspekten abdecken als monographische Biographien. Vielleicht liegt es auch daran, dass sich der Autor nicht auf Biegen und Brechen einen Wälzer aus den Rippen leiern musste, um einen Verlag-Vertrag zu erfüllen. Ja, vielleicht liegt es daran, dass Aufsatz-Sammlungen ein Best-of des bisherigen schriftstellerischen Outputs sind - eine Aneinanderreihung mehrerer Texte, für die der Autor gewissenhaft recherchiert hat (und mit denen er selbst zufrieden ist).Wie dem auch sei, Friedrich Dieckmanns "Das Liebesverbot und die Revolution" ist (im Großen und Ganzen) so ein Buch. Es besteht aus Essays, die schon an anderen Stellen erschienen sind. In jedes Essay ist (offensichtlich) eine Menge Mühe, Herzblut und Akribie geflossen. Und die Texte wurden hier in eine Reihenfolge gebracht, die stimmig ist und (beim stringenten Durchlesen des Buchs) ein zusammenhängendes Ganzes bildet (obwohl jedes Kapitel auch isoliert verständlich sein soll)."Das Liebesverbot und die Revolution" - das ist natürlich ein äußerst elegant-intelligent gewählter Titel. Er weckt vielerlei Assoziationen. Man denkt an "Das Liebesverbot", Wagners zweite vollendete Oper. Man denkt an verbotene Liebe (im Allgemeinen), eine dramatische Grundkonstellation in Wagners Werk (und Leben). Man denkt an die Dresdner Mairevolution, an der sich Wagner tatkräftig beteiligte. Man denkt an "Die Kunst und die Revolution", eine der Zürcher Kunstschriften Wagners. Und man kommt (durch die Verbindung der beiden Termini) auf den Gedanken, dass "Liebesverbote" und "Revolutionen" vielleicht etwas miteinander zu tun haben könnten.Und das ist denn auch die große Leistung Friedrich Dieckmanns. Er zeigt, inwiefern Leben und Werk miteinander verquickt sind. Er beschreibt, inwieweit Wagners Wunsch nach (eigentlich) verbotener Liebe sich im Werk manifestiert; er schildert, in welchem Ausmaß das Oeuvre die politisch-revolutionäre Tätigkeit des Komponisten bedingt.Mit psychoanalytischem Spürsinn breitet Dieckmann die These aus, dass Richard Wagners Verhältnis zu seiner Schwester Rosalie unter den (unterschwelligen) Vorzeichen sexuellen Verlangens stand. Die Konfliktsituation, in der Wagner sich fand, wurde "zur Triebkraft der musikalischen Inspiration" (S. 30). In scharfsinnigen Handlungsanalysen zeigt Dieckmann, wo Wagners Bühnenwerke inzestuöse Liebeskonstellationen (oft verschlüsselt) thematisieren. Eine verschleierte Grundthematik des Wagnerschen Werkes ist "die verhängnisvolle Unbedingtheit, mit der das Inzestverbot die Liebeserfüllung durchkreuzt" (S. 113). Dieckmann beschreibt und erklärt dies so flüssig und schlüssig, dass man seinem ungewöhnlichen Interpretationsansatz eine folgerechte Plausibilität zubilligen muss. In letzter Konsequenz führt das Liebesverbot gar zur wirklichen Revolution: Der "auf der Bühne [...] nicht über die letzte Schwelle geführte Tabubruch zieht [...] den Versuch nach sich, die gesellschaftliche Tabuwelt realiter zum Einsturz zu bringen" (S. 104).Insofern sind Wagners Werke nicht autobiographisch, indem sie das bereits Gelebte abbilden. Dieckmann sagt es so: "Es ist eher umgekehrt: das Leben als die Inkorporation des Werkes" (S. 163). So war die Politik (und damit auch die politische Revolution) die "Fortsetzung des Kunstwerks mit anderen Mitteln" (S. 52). Man hat Wagner schon zu Lebzeiten nachgesagt, Partituren für die Barrikaden geschrieben zu haben. Laut Dieckmann ist das ein Missverständnis. Es "ging eher um Barrikaden für die Partituren" (S. 130).Dieckmanns Analysen sind blitzgescheit und verständig. Aber man sollte (wie bei jedem biographischen Werk) nicht nur bewundern, was gesagt wird. Man sollte auch bemerken, was nicht gesagt wird. "Das Liebesverbot und die Revolution" beschäftigt sich ausdrücklich mit Wagners Revolutionstätigkeit und seiner Zeit im Zürcher Exil. Angesichts dieser Schwerpunktsetzung ist es allerdings erstaunlich, dass ein gewichtiges Problemfeld nur ganz marginal (und peinlich-behutsam) gestreift wird. Richard Wagners Antisemitismus brach sich 1850 (mitten im Zürcher Exil) mit der Schrift "Das Judenthum in der Musik" literarisch Bahn. Dass Dieckmann diesen vieldiskutierten Aufsatz nur en passant erwähnt, ist umso erwartungswidriger, als es ein ganzes Kapitel zum Thema "Richard Wagner in Zürich" (S. 136 - 165) gibt. Für Dieckmann ist "Das Judenthum in der Musik" eigentlich nur ein Versuch Wagners, "sich von Mendelssohn und Meyerbeer zu emanzipieren" (S. 125). Das klingt fast entschuldbar. Doch Wagners anhaltende antisemitische Obsession (die auch zur Neuveröffentlichung des Aufsatzes nach Meyerbeers und Mendelssohns Tod führte [1869]) spricht eine andere Sprache. Und die kommt beim sonst so detailverliebten Dieckmann mit keiner Silbe zu Wort.Es sind solche Aus- und Unterlassungen, die Dieckmanns Buch einen Zacken aus der Krone brechen. Dabei erzählt Friedrich Dieckmann das, was er erzählen will, in geschliffenstem Stil. Meist hat er ein vorbildliches sprachliches Gespür, das eine ansehnliche Balance zwischen Bandwurmsatz und Verständlichkeit gewährleistet. Und so mag man es ihm sogar nachsehen, dass er sich manches Mal einen Satz gönnt, der beim Formulieren vermutlich mehr Spaß gemacht hat als beim Lesen: "Die ideelle Entwertung der gesellschaftlichen Konstruktion, die der monarchische Obrigkeitsstaat verkörperte, hat auch in der Musik das konstruktive, wenn man so will: architektonische Moment unterminiert" (S. 129). Der Leser muss sich eben auch auf gestelztes Gelehrtendeutsch gefasst machen."Das Liebesverbot und die Revolution" ist eine Aufsatz-Sammlung, die dem Leser in mehrerlei Hinsicht die Augen öffnen kann. Dieckmann wirft einen unkonventionellen, gut begründeten Blick auf Richard Wagner, seine Werke und seine revolutionären Umtriebe. "Das Liebesverbot und die Revolution" gehört vielleicht nicht zum Besten, was in den letzten Dekaden über Wagner veröffentlicht wurde. Dafür ist das Bild, das Dieckmann zeichnet, zu unvollständig. Aber in Sachen Originalität und argumentativer Eleganz rangiert "Das Liebesverbot und die Revolution" sehr weit vorne unter den aktuellsten Wagner-Veröffentlichungen.