Read Die Welt im Selfie: Eine Besichtigung des touristischen Zeitalters by Marco d'Eramo Online

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Was den einen Erholung vom Alltag ist, wird f r die anderen zu einer allt glichen Belastung Weltweit explodieren die Touristenzahlen, in den letzten 15 Jahren haben sich die Einnahmen der Branche mehr als verdoppelt, in Mallorca kamen im Juli 2016 1,8 Millionen Besucher auf 900000 Einheimische Diese protestierten als Touristen verkleidet in Tennissocken und mit umgeh ngter Kamera Damit griffen sie zwei Aspekte auf, die rund um das historisch junge Ph nomen Massentourismus seit je zentral sind sthetische Abgrenzung schlecht angezogene Touristen sind immer die anderen und das Faszinosum Urlaubsfotografie Auf den Spuren von Twain, Barthes und Enzensberger besichtigt Marco d Eramo unser touristisches Zeitalter Warum verrenken wir uns, um uns notfalls unter Einsatz eines Selfie Sticks vor Bauwerken abzulichten, die wir in echt weniger beeindruckend finden als im Reisef hrer Was zeichnet ihn aus, den touristischen Blick Und wie ver ndert der Tourismus Destinationen wie Las Vegas, Paris oder Venedig Eine essayistische Tour d Horizon, nach deren Lekt re Sie Sehensw rdigkeiten mit anderen Augen sehen werden....

Title : Die Welt im Selfie: Eine Besichtigung des touristischen Zeitalters
Author :
Rating :
ISBN : 9783518428092
ISBN13 : 978-3518428092
Format Type : PDF
Language : Deutsch
Publisher : Suhrkamp Verlag Auflage 1 16 April 2018
Number of Pages : 194 Pages
File Size : 571 KB
Status : Available For Download
Last checked : 21 Minutes ago!

Die Welt im Selfie: Eine Besichtigung des touristischen Zeitalters Reviews

  • cbm
    2019-02-28 19:39

    Wenn ein Italiener über Massentourismus schreibt, ist es ein Aufschrei eines Vertreters der Nation, die in extremster Form daran zu leiden hat. Venedig verkraftet 600 Touristen pro Jahr und Einwohner. Beträgt die durchschnittliche Verweildauer etwa eine Woche befinden sich permanent 10 mal mehr Touristen in der Stadt als Menschen mit einer ständigen Bleibe. In Sendungen über Italiens Sehenswürdigkeiten ist es inzwischen normal Menschenschlangen zu sehen, die sich die Attraktionen aneignen und dafür Stunden im Wartemodus verbringen. Bilder, die sich schon fast mit denen gleichen, die in der inzwischen untergegangenen Sowjetunion ein singuläres touristisches Merkmal waren, auf dem Roten Platz am gläsernen Sarkophag W.I. Lenins.Marco dÈramo bietet allerdings nicht nur die erwartbaren jammernden Allgemeinplätze.Er beschreibt die urbane Verelendung der touristengeplagten Städte, deren Leben einer auf die Touristen zugeschnittenen Dienstleistungsindustrie weicht.Als Seume 1805 nach Syrakus reiste, war dies noch ein Monate andauerndes Abenteuer. Goethes Reisen nach Italien fanden bleibendes Echo in der Literatur. In einer Zeit, in der sich jährlich 1000000000 Menschen in Bewegung setzen, um die Welt zu entdecken, bekommt man den Eindruck, dass alle Sehenswürdigkeiten der Welt nicht ausreichen diesen Entdeckungshunger zu stillen. Und in dieser Masse wird das Erlebte beliebig. Milliarden von Selbstdarstellungen in sozialen Medien sind praktisch nicht mehr wahrnehmbar. Selbst die Gegenden, die dÈramo nicht so im Fokus hat, er konzentriert sich auf den Städtetourismus, sind von der explodierenden Mobilität der Menschen betroffen. In Deutschland finden sich die Auswirkungen des Massentourismus an vielen Stellen. Exemplarisch sei Usedom genannt, die Insel, deren Infrastruktur am Rand des Möglichen angelangt ist. Dauerstaus auf den Hauptverkehrsadern in der Urlaubssaison, Kunden, die in die Supermärkte einfallen wie Heuschrecken, mit der Folge, dass diese Märke auf viel zu kleiner Fläche viel zu viel anbieten, um die Versorgung zu sichern, Beschränkungen bei der Errichtung von Neubauten, da die Netze an Wasser, Abwasser, Gas und Strom an der Kapazitätsgrenze angekommen sind und nicht weiter aufgebläht werden können beschränken die weitere Erhöhung der Besucherzahlen.Marco dÈramo hat kein Ratgeberbuch verfasst sondern eine massive Gesellschaftskritik. Es geht dabei um das Maß der Dinge. Touristen als Konsumenten bescheren natürlich wirtschaftlichen Aufschwung. Nach den Denkansätzen des Autors birgt die Tourismusindustrie jedoch auch destruktive Entwicklungen des Übermaßes, dargestellt an einer Vielzahl gut untersuchter und analysierter Beispiele. Ein spannendes Buch, sehr gut recherchiert und mit einer umfassenden Analyse einer bedenklichen gesellschaftlichen Entwicklung.Wie lange wird wohl der Platz auf der Zugspitze noch reichen, um alle Touristen aufzunehmen, die mit der neuen Seilbahn den Gipfel stürmen? Wir werden es wissen, wenn der erste vom Berg fällt.

  • Fuchs Werner T. Dr
    2019-03-06 16:28

    Eines der raren Bücher, die so viele Aha-Erlebnisse auslösen, dass ich mir im guten Sinne mit jedem Kapitel etwas dämlicher vorkam. Fragen wie „Warum ist mir dieser Zusammenhang vorher nicht aufgefallen“? oder „Weshalb entging mir dieser wichtige Aspekt der Tourismusindustrie?“ stellte ich mir während der Lektüre öfters. Aber weil Marco d’Eramo Wissenslücken lieber füllt als moralisch bewertet, konnte ich mich ohne schlechtes Gewissen auf seine fachkundigen Antworten konzentrieren.Antworten findet der Autor in seinem eigenen, prall gefüllten Bildungsrucksack sowie bei Soziologen, Ökonomen, Literaten, interdisziplinär denkenden Psychologen und guten Beobachtern. Als erfahrener Journalist, der sogar zu den Gründern der Zeitung „Il Manifesto“ gehörte, kann d’Eramo glücklicherweise auch mit großen Datenmengen umgehen. Daher ist die Lektüre trotz der vielen Fakten und Zahlen erstaunlich unterhaltsam. Allerdings kann einem der Spaß auch vergehen, wenn man zu Passagen kommt, in denen von den negativen Auswirkungen des menschlichen Herdentriebs die Rede ist.Das exemplarische Konzept bringt es automatisch mit sich, mit Beispielen konfrontiert zu werden, die von der Tagespresse kaum beachtet werden. Oder wer weiss schon, dass es in China eine Stadt „Lijiang“ gibt, die 1990 lediglich 90'000 Menschen besuchen wollten, jedoch 2013 von 21 Millionen Touristen überrannt wurde? Kulissen schaffen Wirklichkeiten, wie der Autor auch anhand der Wüstenstadt Las Vegas demonstriert.Die Funktion „Blick ins Buch!“ erlaubt Neugierigen, das Inhaltsverzeichnis zu durchforsten. Die Kapitelüberschriften deuten es schon an, dass wohl für jeden Geschmack etwas dabei ist. Kulturpessimisten werden allerdings damit zurechtkommen müssen, dass Marco d’Eramo ein optimistischer Mensch ist und nicht davon ausgeht, Moralin könne die Welt verändern oder negative Entwicklungen rückgängig machen.Als Römer beschreibt d'Eramo selbstredend auch die Veränderungen seiner Heimatstadt in den letzten Jahrzehnten. Und weil ich selber in Rom wohnte und dort noch immer Freunde habe, kann ich gut nachvollziehen, weshalb „Einheimische“ aus dem Zentrum flüchten und an den Rändern eine andere Authentizität suchen.Da es kaum einen Leser geben wird, der immer an Ort bleibt, stellt sich bei vielen Analysen persönliche Betroffenheit ein. Bin ich am allgemeinen Städtemord mit meinem Verhalten mitschuldig? Sehe ich die Unesco und Tourismusmarketing nach der Lektüre mit anderen Augen? Wie lebe ich meine Sehnsucht nach dem Anderen, Authentischen, Archaischen aus? Für wen sind all die Selfies und Urlaubsbilder? Trage ich mit meinen Geheimtipps zum Aussterben des Originären bei?Mein Fazit: Wollte Marco d’Eramo zu Beginn seiner Arbeit lediglich die Touristenstadt erforschen, geriet er immer mehr in den Strudel, ein ganzes Zeitalter besichtigen zu müssen. Und erst mit der Zeit wurde d’Eramo klar, „dass hinter der Kritik am Tourismus nur die Weigerung steckte, sich im Spiegel zu betrachten und zu erkennen, dass die touristische Wahrnehmung bloß die besondere Wahrnehmung unserer Gesellschaft ist.“ Wer eine spannende Analyse des 21. Jahrhunderts sucht, die mit ihm selber zu tun hat, schneide sich die Zeit für die Lektüre dieses Buches heraus. Es lohnt sich bestimmt mehr, als in einer Warteschlange zu verharren, um ein weiteres „Muss man sehen-Objekt“ abhaken zu können.

  • Beate Frankfurt
    2019-03-07 12:37

    Im Postscriptum schreibt der Autor, dass sich sein (Schreib-) Plan im Laufe der Arbeit verändert hat. Das sei ihm zugestanden, aber .. Ich hätte das Buch nach zwei Dritteln fast weggelegt , weil es mir zu philosophisch wurde. Zwei Drittel fand ich aber sehr gut, daher letztendlich doch vier Punkte. Schade, dass gute Bücher immer teurer werden.

  • Frank Walther
    2019-03-22 17:42

    Das erste Drittel des Buches enthält durchaus gute Analysen und Gedanken. Danach folgt immer mehr tiefsinniges philosophisches Geplänkel, das nur bedingt zum Thema gehört. Der Autor beweist seine große Belesenheit und analysiert hunderte Zitate. Bis auf eine überschaubare Anzahl guter Beobachtungen und Gedanken lohnt sich das Buch kaum.