Read Skeptiker des Lichts: Douglas Sirk und seine Filme by Elisabeth Läufer Online

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ISBN 3596244684 Softcover Buch guter Zustand Erscheinungsjahr 1987 Taschenbuch mit Abbildungen und 247 Seiten Stempel Index 171...

Title : Skeptiker des Lichts: Douglas Sirk und seine Filme
Author :
Rating :
ISBN : 3596244684
ISBN13 : 978-3596244683
Format Type : Other Book
Language : Deutsch
Publisher : FISCHER Taschenbuch 1987
Number of Pages : 306 Pages
File Size : 570 KB
Status : Available For Download
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Skeptiker des Lichts: Douglas Sirk und seine Filme Reviews

  • Klein Tonio
    2019-08-09 08:14

    Das vorliegende Buch ist über zwanzig Jahre alt, das Original-Copyright datiert von 1987. Und es ist eine deutsche Originalausgabe, nicht etwa die Übersetzung eines amerikanischen Filmbuchs. Beides ist wichtig. So schreibt man heute nicht mehr über Film, und so schrieb man nur in Deutschland. Beides gereicht dem Werk über weite Strecken zur Ehre, wenngleich mir zunächst eine mitunter nervige Fehlerquote aufgefallen war: Die Inhaltsangabe von "Angelockt" (1946) kann man vergessen, die von "Magnificent Obsession" hat auch noch ein paar Macken, von denen die Verwechslung von "bucks" (ugs. für Geld, etwa "Mäuse") und "bugs" ("Käfer") immerhin noch einen unfreiwilligen Lacher bringt. Klar, 1987 konnte man noch nicht so einfach alles in der Videothek oder über Amazon nochmals gucken... Wer bereit ist, das mit Nachsicht zu sehen, wird umso reichhaltiger belohnt. Im Übrigen ist das Buch nämlich eine gelungene Mischung aus Information und Interpretation. Hierbei kommt gelegentlich die auch in den Achtzigern in Deutschland noch präsente Neigung zum Tragen, immer alles hochpolitisch zu sehen, aber das ist eher interessant als enervierend, zumal es bei Sirk genug Stoff zu diskutieren gibt. Er hatte Theater in der Weimarer Republik inszeniert, war 1933 noch mit "Der Silbersee" bei den neuen Machthabern angeeckt, ging dann zu der noch freieren Ufa, entdeckte Zarah Leander für den Film, floh aber um 1938 doch aus Deutschland, drehte einen Antinazifilm, dann Querbeet in den USA, bevor er zum "Meister des Melodrams" wurde. Das Buch hat bei der Schilderung von alldem eine angenehme persönliche Note. Während die schwächeren Bände der Heyne-Filmbibliothek in dieser Zeit dazu neigten, 80 % aus Presseartikeln oder von US-Vorbildern abzuschreiben, ist "Skeptiker des Lichts" eine beachtliche Eigenleistung. Es gab seinerzeit schon zwei gute Sirk-Bücher, einen längeren Interviewband von John Halliday und eine Tiefenanalyse ausgesuchter wichtiger Werke von Michael Stern. Obwohl diese ebenfalls sehr gut sind, hebt sich Läufer wohltuend von dem einen wie von dem anderen ab. Meines Erachtens hat das zwei Gründe:1. Läufer schafft es, gleichsam in die Breite und in die Tiefe zu gehen. Während Stern sich auf eine Handvoll Filme beschränkt und Biographisches recht kurz fasst, und während Halliday/Sirk manches nur oberflächlich streifen, kommt bei Läufer alles vor: Die Lebensumstände, die Kindheit, die Theaterarbeit in den Zwanzigern, die Ufa-Filme in den Dreißigern, die US-Filme in den Vierzigern und Fünfzigern. Bei den Dreißigern hat Läufer als Deutsche ganz klar die Nase vorn. Man kann beispielsweise Bemerkenswertes darüber erfahren, wie berühmte Zarah-Leander-Lieder entstanden sind, die man noch heute mit ihr verbindet - nur kaum einer weiß, dass die aus Sirk-Filmen stammen und dass Sirk teilweise die Texte geschrieben hatte. Melo-Dram, das hatte er immer ganz wörtlich genommen, und man kann im Grunde die heute wesentlich bekannteren US-Melodramen Sirks nicht ohne seine deutschen Vorläufer würdigen (z.B. "Zu neuen Ufern"). Desweiteren würdigt Läufer immer auch - wenngleich etwas kürzer - die Filme, die den Ruf haben, nur Nebenwerke Sirks zu sein. Ich hatte gerade eine Rezension zu "Der Engel mit den blutigen Flügeln" verfasst, und was glauben Sie, welches das einzige Buch ist, in dem etwas Vernünftiges zu diesem Film steht? Richtig, "Skeptiker des Lichts". Das ist symptomatisch, Läufer holt eben trotz der diversen Fehlerchen Verborgenes an die Oberfläche, und sie ist nicht voreingenommen von der landläufigen Meinung, die sich bei Sirk auf wenige Werke konzentriert und den Rest links liegen lässt.2. Läufer würdigt ausführlich das Verhältnis von Sirk und Rainer Werner Fassbinder. Ich habe dieses Kapitel mit großem Gewinn gelesen, macht es doch deutlich, wie die Werke der beiden zu lesen sind, wie sie sich ähneln, aber auch unterscheiden, worauf beide achteten und wie sie sich entwickelten. Man kann Filme von Fassbinder mit größerem Gewinn sehen, wenn man viel über diese künstlerische wie persönliche Freundschaft weiß. Hier geht Läufer angenehm ins Detail, gliedert das nach verschiedenen künstlerischen Aspekten, schildert Treffen und Gespräche über Arbeitsweise und Auswahl der literarischen Stoffe (wobei sich Sirk, gelegentlich als Kitsch-Onkel verschrien, immer wieder als klassisch gebildeter Mann erweist). Und das analytische Buch wird hier auch persönlich, verbindet beides aber immer miteinander. Ja, es ist schon bewegend, wie ein Ruheloser (Fassbinder) ein Idol, einen Mentor, einen väterlichen Freund gefunden hat, den er als Künstler wie als Mensch verehrte und dem er viel zu verdanken hat. Wir alle haben ihm viel zu verdanken, dem Sirk. Und diesem Buch. Auf gerade einmal 248 Seiten (220 ohne Anhang) bringt Läufer eine Fülle von Informationen und Eindrücken und behandelt wie gesagt auch die scheinbar unbedeutenden Filme alles andere als oberflächlich. Bei der Seitenangabe muss man bedenken, dass 1987 noch nicht für Halbblinde layoutet wurde. Bei dem heutigen Gebaren der Verlage, noch mehr Geld rausschlagen zu können, wären das gut und gern an die 400 Seiten. Ein reichhaltiges Buch - und ein schönes. Wenn man angesichts der erwähnten Fehlerchen von Schatten im Kleinen sprechen kann, so strahlt das Große Ganze im hellsten Licht. Auch wenn Sirk vielleicht ein Skeptiker des Lichts war.