Read Eine Kritik der politischen Vernunft: Foucaults Analyse der modernen Gouvernementalität (Argument Sonderband / Neue Folge, Band 251) by Thomas Lemke Online

eine-kritik-der-politischen-vernunft-foucaults-analyse-der-modernen-gouvernementalitt-argument-sonderband-neue-folge-band-251

Die Analyse der Gouvernementalit t, die Foucault vor allem in den weitgehend unver ffentlichten Vorlesungen am Coll ge de France entwickelt, weist auf den inneren Zusammenhang zwischen der Genealogie des modernen Staates und der Genealogie des modernen Subjekts hin Damit gelingt es Foucault, die engen Beziehungen zwischen Bio Politik und Rassismus, Freiheit und Sicherheit, dem Abbau sozialstaatlicher Leistungen und dem zunehmenden Appell an Eigenverantwortung und Selbstsorge aufzuzeigen Der Neoliberalismus ist demnach eine politische Rationalit t, die nicht nur eine neue Form des Sozialen erfindet, sondern auch eine neue autonome Subjektivit t In ihr sind wirtschaftlicher Wohlstand und pers nliches Wohlsein miteinander gekoppelt, wobei nicht nur der individuelle K rper, sondern auch der Staat als politischer K rper schlank und fit sein muss.Thomas Lemkes Studie beruht auf umfangreichen Recherchen und bislang unbekanntem Archivmaterial Sie bietet nicht nur eine wichtige Neuinterpretation Foucaults und die umfassendste Bibliographie seiner politisch und sozialwissenschaftlich relevanten Arbeiten, sondern wird selbst zum Werkzeug f r eine Kritik der politischen Vernunft....

Title : Eine Kritik der politischen Vernunft: Foucaults Analyse der modernen Gouvernementalität (Argument Sonderband / Neue Folge, Band 251)
Author :
Rating :
ISBN : 9783886192519
ISBN13 : 978-3886192519
Format Type : PDF
Language : Deutsch
Publisher : Argument Verlag mit Ariadne Auflage 5 1 November 2010
Number of Pages : 271 Pages
File Size : 665 KB
Status : Available For Download
Last checked : 21 Minutes ago!

Eine Kritik der politischen Vernunft: Foucaults Analyse der modernen Gouvernementalität (Argument Sonderband / Neue Folge, Band 251) Reviews

  • Ein bescheidener Foucaultkenner
    2019-08-27 16:18

    Kann man heutzutage über Michel Foucaults Konzept der Gouvernementalität schreiben, ohne auf dieses Standardwerk zurückzugreifen? Es ist schwer vorstellbar.Thomas LEMKE hat mit seiner Studie zu Michel Foucaults Gouvernementalität ein Standardwerk geschrieben. Diese zunächst in Form einer Dissertation publizierte Schrift befasst sich mit Foucaults lange Zeit nicht veröffentlichte Vorlesung über die "Geschichte der Gouvernementalität". Dieses für deutsche Leser schwer auszusprechende Wort, ist eine Wortneuschöpfung von Foucault (frz.: governementalité). Damit versucht er eine andere Geschichte des Staates zu schreiben. Foucault geht es darum den modernen Staat nicht aus einer kontraktualistischen Perspektive (Rousseau, Hobbes, Locke) zu untersuchen, sondern, sagen wir es vereinfacht: von seinen Wirkungen aus.Doch es wäre falsch zu sagen, Foucault möchte nur eine andere Genealogie des Staates schreiben, der Begriff Genealogie meint immer sowohl die Mikro- wie die Makroebene. In der Mikroebene sind die Subjekte. Erst wenn die Subjekte und der Staat ein und das selbe wollen, kann von Gouvernementaliät die Rede sein.Um dies zu bewerkstelligen beschäftigt sich Foucault ausführlich mit zahlreichen Bedeutungen des Begriffs "Regierung", angefangen bei PLATONS "Politeia" und "Politikos", hin zum "Pastorat", jener Machtform, die auf die Hirtenmetapher aus Psalm 23 (und noch älter) zurückgeht und die sich als "Führung der Führungen" charakterisieren lässt. Der Hirte als guter und gerechter Führer hat immer sowohl das Wohlergehen der ganzen Herde als auch jedes einzelnen Individuums im Sinn.In diesem Sinne lautet Michel Foucaults These, dass die Gouvernementalität eine Verbindung aus "Pastoralmacht" und "Staatsräson" (Machiavelli u.a.), darstellt. Der moderne Staat zeichnet sich durch eine eigene Rationalität aus. Er habe sein eigenes Wohl vor Augen und um dieses zu mehren, kümmert er sich um die Bevölkerung als Ganzes (Biopolitik) und um jedes einzelne Individuum. Das Besondere hierbei ist, dass es sich um eine "sanfte" Führung, eine "Führung der Führungen" handelt, so dass wir als Bürger, indem wir uns selbst "führen", "selbst regieren" (der Gedanke, des sich "selbst regieren" geht bis zu den Griechen zurück), zum Funktionieren des Staates beitragen. Die Handlungslogik des Einzelnen ist an die Regierungslogik des Staates gekoppelt, dies ist aber für die Individuen nicht erkenntbar oder unbewusst. Foucaults Konzept der Gouvernementalität ist zu vielschichtig, zu komplex, um hier in ein paar Zeilen abgehandelt zu werden. So redet Foucault zwar schon mit Anbeginn der großen Massenstaaten von Gouvernementalität (16. und 17. Jahrhundert), aber es ist hierbei nur vom "historischen" Begriff der Gouvernementalität die Rede. Erst mit dem dem "Liberalismus" (Adam Smith et al.) kann vom "eigentlichen" Begriff der Gouvernementalität die Rede sein. Das Prinzip des Marktes tritt auf den Plan. In seiner Fähigkeit individuelle Willensentscheidungen (homo oeconomicus) in eine Richtung zu aggregieren und zu lenken, ist das Marktprinzip jeglicher traditioneller politischer Rationalität überlegen. Damit das Marktprinzip nun aber greifen kann, muss sichergestellt werden, dass die Marktteilnehmer (Individuen) "frei" sind, frei wirtschaften können....somit kann man unter Gouvernementalität auch ein "Regieren über Freiheit" verstehen...In Neoliberalismus - diese Periode untersucht Foucault explizit in Bd. 2 "Geschichte der Gouvernementalität. Die Geburt der Politik" - macht sich diese Marktlogik daran, immer mehr Lebensbereiche zu kolonisieren, so wird aus der "Theorie des Humankapitals" der "Unternehmer seiner selbst". Grob gesagt, nimmt dieses Konzept der Gouvernementalität mehr und mehr unterwerfende Züge an. Diese Ausführungen mögen zu knapp geraten sein und sind dem Umstand dieser Kurzkritik geschuldet. Dem interessierten Leser sei das Buch von Thomas LEMKE als Begleitlektüre oder Nachbereitung zur Primärlektüre von Foucaults "Geschicht der Gouvernementalität" empfohlen.Der Autor schafft es in einer klaren Sprache die Entstehung von Foucaults Konzept der Gouvernementalität in seinem Gesamtwerk zu erklären und zeigt, dass man einen roten Faden von Foucaults Machtanalytik (Überwachen und Strafen, Der Wille zum Wissen u.a.) bis zu seinem ethischen Spätwerk (Der Gebrauch der Lüste, Die Sorge um sich, und nicht zu vergessen, die inzwischen bei Suhrkamp erschienene Vorlesung zur "Hermeneutik des Subjekts") verständlich zu machen. Das Buch bietet sehr viele Anreize und Literaturipps zum Weiterlesen, die Fußnoten sind reichlich aber nie überflüssig, die Bibliographie ist, auch wenn man bei einem Denker wie Foucault nicht mehr alles lesen kann, kolossal.LEMKE gibt einen Blick auf die durch das Konzept der Gouvernementalität angestoßene Richtung der "governmentality studies", die sich in den letzten Jahren großer Beliebtheit in den Sozialwissenschaften erfreut. Er bespricht die wichtigsten Werke von Foucaults Schülern: Daniel Defert, Giovanna Procacci, Jacques Donzelot und anderen...., welche sich dran gemacht haben, das Konzept der Gouvernementalität fortzuentwicklen und für empirische Studien anzuwenden.Die Produktivität des Gouvernementalitätsansatzes kennt zur Zeit (fast) keine Grenzen. So wird der Aspekt auch in der Kriminologie, der Biotechnologie/Gentechnik (oft werden Vergleiche zu Giorgio Agamben gezogen), Pädagogik, für eine Kritik des Neoliberalismus verwendet.Alles in allem kann man sagen, dass Thomas LEMKE, zumindest für den deutschsprachigen Raum, mit diesem Buch eine Pionierleistung gelungen ist und dass das Buch, auch nach über zehn Jahren, nichts an seiner Aktualität eingebüßt hat.Somit ist das Buch allen zu empfehlen, die sich mit Foucault im Allgemein beschäftigen. Es ist für Politikwissenschaftler aufschlussreich, um einen anderen Blickwinkel zu bekommen, es ist selbst für Leser gewinnbringend, die sich eher mit Foucaults "Ästhetik der Existenz" beschäftigen, da es erklärt wie sein letzte Schaffensphase mit dieser "vorletzten" zusammenhängt.[Wenn Zweifel ob der allzu positiven Rezension dieses Buches aufkommen sollten: Der Rezensent kennt den Autor nicht persönlich, wurde nicht von ihm beauftragt und nicht bezahlt, sondern wollte einfach nur eine Kritik zu diesem Buch schreiben. Der Grund hierfür liegt in eine ausführlichen Beschäftigung mit Foucaults Gouvernementalität im Rahmen einer universitären Abschlussarbeit.]