Read Sehr gut: Novelle by Wolfgang Treitler Online

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KlappentextAn einem Ostermontag wird Wolfgang Sattler durch ein Email berrascht, geschrieben von einem Mann, der vor 40 Jahren einer seiner Erzieher war Dieser Mann, Louis Pigasse, m chte sich mit ihm treffen In der Folgenacht jagen Sattler Tr ume durch die zwei Jahre, in denen er unter Louis Pigasse ausharren musste Schl ge, Lockmittel, scheinbares Vertrauen und blanker Hass sollte ihn gef gig machen Nachdem Sattler am Morgen erwacht ist, bricht er auf, um eine letzte Vergeltung an Pigasse zu ben Und am Abend dieses Tages kehrt er in die Gegend seiner verlorenen Kindheit zur ck und trifft dort, mitten in der Nacht, auf eine stille Botschaft ber den Autor und weitere MitwirkendeWolfgang Treitler, geb 13 April 1961 Professor f r Fundamentaltheologie Universit t Wien Mitglied des P.E.N Clubs, der sterreichisch israelischen Gesell schaft und der sterreichischen Freunde von Yad Vas hemAlle Produktbeschreibungen...

Title : Sehr gut: Novelle
Author :
Rating :
ISBN : 395018144X
ISBN13 : 978-3950181449
Format Type : EPub
Language : Deutsch
Publisher : Achinoam Verlag Auflage 1 1 Juni 2018
Number of Pages : 195 Seiten
File Size : 680 KB
Status : Available For Download
Last checked : 21 Minutes ago!

Sehr gut: Novelle Reviews

  • Amazon Kunde
    2019-08-02 06:20

    Es geht dem Autor hier nicht um Hass und Rachegelüste. Es geht hier lediglich darum, ausgelöst durch neuerlichen Kontakt des Täters, dass diese ungesühnte Tat ihn wieder nach so langer Zeit gefangen nimmt, diese Dreistheit ihn nicht sprachlos macht, sondern dass er diese Ungeheuerlichkeiten tatsächlich in Worte fassen kann. Das ist schon ein großer Schritt. Befreiung allerdings erfährt ein Opfer nur, wenn derartige Traumen tatsächlich wieder gut gemacht werden!! Und das bedeutet, dass der noch lebende Täter zur Verantwortung gezogen wird. Verantwortung heisst: Bestrafung: ein Täter soll für seine Taten gerade stehen müssen! Da gibt es auch keine Ablauffristen! Die Frage ist ja diese: Warum geht man (kirchliche Einrichtungen, in deren Konvente Schützlinge ausgeliefert) solch Aufschreien nicht nach - warum gibt es tatsächlich keine Konsequenzen - warum wird den Opfern Therapie verordnet? Es ist unfassbar dass über solche Schändungen stets ein Mantel des Schweigens gelegt wird - immer noch!! Wie glaubhaft sind die Verantwortlichen, die über das Schweigen befinden - sie sind Mittäter!

  • Dangl Oskar
    2019-08-08 03:29

    Rezension zu Wolfgang Treitler, „Sehr gut“Damian Miller & Oskar DanglWolfgang Treitler legt eine autobiographische Novelle vor, deren Thema erlittene Gewalterfahrungen sind, die er als Schüler in einem kirchlichen Internat in den Jahren 1972-1974 im Alter von 11 bis 13 Jahren unausweichlich erdulden musste. Damit gibt Treitler all jenen Menschen eine Stimme, die ob der erfahrenen Gewalt, Machtmissbräuche und Übergriffe, verstummt sind.Die Novelle beginnt mit einem Essen zu Ostern, einer versöhnlich stimmenden Landschaft und dem Tod einer Tante. Einer Tante, die ihr Leben mit viel Entbehrungen und still ertragenen Demütigungen meisterte. Ostern schien irgendwie alles zu versöhnen. Tat es nicht, Willkür, Missbrauch und Gewalt lassen sich nicht weg „ostern“.Der Anlass von Treitlers Novelle liegt in einer völlig überraschenden Kontaktaufnahme seitens seines damaligen Peinigers „Pigasse“ per E-Mail. Dieser versuchte offenkundig damit sein belastetes Gewissen beruhigen. Vier Jahrzehnte nach den Gewaltorgien und sexuellen Übergriffen und ihrer Moralin-getränkten Rechtfertigung von oben herab, sucht der Täter Versöhnung, ohne seine Schuld einzugestehen. Vielmehr stilisiert er sich als Beschützer seiner Opfer, dessen Aufgabe und Auftrag es war, sie vor den schlimmen Pädophilen zu schützen. Die Erfahrungen des Opfers werden als einfache Täuschung verzerrt. Genau so schwatzen sich Kinderschänder, Vergewaltiger und Gewalttätige vor sich selbst und dem Umfeld gerecht.Die erinnerte Erziehungswirklichkeit des Opfers zeigt mit präziser Detailbeschreibung und Sprache, dass es keinen Schutz gab, nicht einmal vor den älteren Mitschülern im Internat, die an so genannten „Prügeltagen“ über die Jüngeren und Schwächeren brutal herfielen, ohne dass jemand der Verantwortlichen seine Aufsichtspflicht wahrgenommen und schützend dagegen eingeschritten wäre. Darin enthüllt sich ein Muster und System durchgehender Gewalt, vor der es keinen Schutz gab. Ein Muster auf dessen Schutz sich Päderasten und andere Gewalttäter verlassen können, denn jeder Machtmissbrauch hat Mitwisser, die schweigen.Auch die Intervention des Vaters des Opfers half nichts, ganz im Gegenteil. Damit verschlimmerte sich seine Lage nur noch. Das Opfer sah sich dem Vorwurf des Täters ausgesetzt, die Eltern falsch informiert, ihn verleumdet und somit gelogen zu haben. Damit schließt sich der kurze Kreis des Sündenbockmechanismus wie eine Zange: Dem Opfer der Gewalt wird in einem Akt der Lüge die Schuld zugewiesen. Gewalt und lügenhafte Schuldzuweisung verschwistern sich zu einem unheilvollen Zugriff, aus dem es für das Opfer kein Entrinnen gibt.Zudem erfrecht sich der Täter, seine Gewaltakte pädagogisch und theologisch zu rechtfertigen. Es handle sich nicht um Gewalt, sondern um erzieherische Züchtigung, also eine Art Amtshandlung als zuständiger und verantwortlicher Erzieher, die durchaus im Sinne Gottes sei, denn: „Wen Gott liebt, den züchtigt er“. Mit diesem, der biblischen Sammlung der Sprichwörter (Spr 3,12) entnommenen Rechtfertigungssatz, versucht der Täter seine Übergriffe und Misshandlungen religiös zu legitimieren und als Tat väterlicher Liebe zu veredeln. Kein Wunder, dass eine derart abartige, religiöse Rechtfertigungsstrategie beim Opfer erste religionskritische Impulse auslöst, die sich auch im viel späteren religiösen Bewältigungsversuch des Opfers zeigen: Der Zugang zur Sprache biblischer Gebete bleibt verwehrt. Gott kann nicht mehr als (liebender) Vater angesprochen werden.Auf die religiösen und theologischen Zusammenhänge spielt wohl auch der Titel der Novelle an: „Sehr gut“. Es handelt sich um eine häufige Äußerung des Täters, mit der er gewisse, von ihm erzwungene demütigende Verhaltensweisen seiner Opfer zu kommentieren und zu beurteilen pflegte. Gleichzeitig erinnert dieser Doppelausdruck aber auch an das Urteil Gottes über sein Werk am sechsten Schöpfungstag: „Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Und siehe, es war sehr gut“ (Gen 1,31). In intertextueller Perspektive wird damit klar: Der Gewalttäter setzt sich an die Stelle Gottes. Er fühlt sich wie Gott. Dass das in biblischer Perspektive die Ursünde des Menschen darstellt (vgl. Gen 3), kümmerte ihn offenbar nicht. Ob er überhaupt daran dachte, bleibt offen, möglich, dass die Gier solches Denken nicht zuließ. Er fühlt sich schuldlos, hat nur seine vermeintliche Pflicht getan, die Zöglinge vor anderen zu schützen.Zu den Folgen der Gewalt und ihrer pädagogischen wie religiös-theologischen Rechtfertigung zählen aufseiten des Gedemütigten nicht nur religionskritische Impulse und die Zweifel an einem liebenden Gott, sondern verständlicher Weise auch Rückzug in sich selbst, Furcht, Trauer, Hass und Rachedurst. Vielleicht ist es für Menschen, die solches nicht erleben mussten, nicht nachvollziehbar, aber Hass und Rachedurst werden vom Geschundenen offenbar auch als Quellen der Kraft und des Widerstands erlebt. Dem Autor dieser Novelle war es jedenfalls wichtig, in überzeugender Form den selbstgefälligen Gewalttäter zur Rechenschaft zu ziehen, weil er damit eine Grenze ziehen konnte, die vor Jahrzehnten vom Täter skrupellos übertreten worden war.Mit sicherer und gewandter Sprache gibt Treitler einen sorgfältig freigelegten Einblick in ein System von Machtmissbrauch, Gier, Gewalt und Willkür sowie in das bewährte Muster des Schweigens und Verheimlichens.Bei aller Brillanz hinterlässt die Novelle einen bitteren Nachgeschmack: „Es wird sich kaum was ändern.“ Kinderschänder und ihre Oberen wissen Verjährungsfristen und Täterschutz auf ihrer Seite.Dennoch bleibt Wolfgang Treitler, dem damaligen Opfer und heute aufrechten Autor und Wissenschaftler, zu danken für diese Schrift. Möge sie für andere Opfer von früher und heute machtmissbräuchlicher und übergriffiger Gewalt zu einer Quelle der Kraft und Hilfe zur Bewältigung ihrer Überwindung werden. Sollten sie nicht schon verstummt sein, sollen sie ihre Stimme erheben, denn Schweigen gibt den Täter Recht – qui tacet consentire videtur (Bonifatius VIII).